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Auflösung des Regiments

Feierlicher Abschiedsappell im Schloss Ludwigsburg.

Ein Stück Ludwigsburger Geschichte, die 1736 begann, ging am Donnerstag um 17 Uhr zu Ende: Ludwigsburg ist (fast) keine Garnison mehr.

Die Glocke der Uhr im Schloß schlug in dem Augenblick fünfmal, als der Kommandeur des Verteidigungsbezirkskommandos 51, Oberst Rolf Franz, die inhaltsschweren Worte sprach: „Ich entbinde hiermit die Verbände des Heimatschutzregiments 75 Alt-Württemberg, das Jägerbataillon 551, die Fernmeldekompanie 751, die Instandsetzungskompanie 751, die Nachschubkompanie 751 von ihrem Auftrag!” Die Fahnenbänder wurden von den Fahnen genommen, dem Jägerregiment 10 zur Aufbewahrung übergeben und die Fahnen eingerollt. Damit ist die letzte Reservisteneinheit in Ludwigsburg im Zuge der Abrüstung aufgelöst. Die Reservisten, vornehmlich aus Ludwigsburg und weiterer Umgebung, haben keine militärische Heimat mehr: „Reserve hat Ruh‘.“

Zum Abschied der deutschen Reservisten-Einheiten war noch einmal ein Appell befohlen. Zuvor hatten die Reservisten auf ihren Mob-Stützpunkten Abschied genommen, die Geräte eingelagert. Zum Abschied waren sie angetreten im Schloßhof, und mancher aktive Offizier zog respektvoll Vergleiche mit der aktiven Truppe: „Wie die da stehen, hüpft jedes Soldatenherz vor Freude. Das sind Jungs, auf die man sich verlassen kann!”

Diese Einheiten werden bis Frühjahr 1993 vollständig aufgelöst. Schriftgut, Aufstellungsbefehle, Übungsunterlagen und Auflösungsbefehle werden dem Militärarchiv in Freiburg übergeben. Die Traditionspflege übernimmt das Jägerregiment 10 in Pfullendorf, wo auch die Fahnenbänder der aufgelösten Jägerbataillone 751 und 753 aufbewahrt werden. Teile der Reservisten können künftig beim Jägerregiment 10 mobilmachungsbeordert werden. Die Mob-Vorbereitungs-Gruppe wird zum 30. September 1993 aufgelöst.

Zahlreiche Ehrengäste

Ein Hauch Geschichte, ein Hauch Wehmut und ein wenig Sentimentalität durchwehte den Schloßhof, als der Kommandeur des Heimatschutzregiments 75, Oberst der Reserve Roland Ziegler, Direktor einer großen Versicherungsgesellschaft, zum letzten Male vor die Front „seiner Männer” trat. Er konnte zahlreiche Gäste zu der Zeremonie begrüßen, unter ihnen Staatssekretär Dr. Eugen Volz, Regierungsvizepräsident Dr. Rapp, Oberbürgermeister Hans Jochen Henke, Oberbürgermeister Ernst Fischer aus Kornwestheim, Oberkirchenrat Pfisterer und die Generale Dr. Greiner, Bruggmann, Dr. Wilhelm und Schild und den Präsidenten der Bundeswehrverwaltung, Schelleis, dazu die ehemaligen Kommandeure Laabs und Tomschi und den Chef des Kreiswehrersatzamtes, Staerker, um nur einige der hochrangigen Ehrengäste zu nennen.

Auflösung des Regiments

Mit diesem Appell endet, so stellte Ziegler heraus, die neunjährige Geschichte dieses Regiments und der Bataillone und der selbständigen Einheiten des VBK 51 mit insgesamt rund 4500 Reservisten aus diesem Raum.

„Es gibt auch Grund zur Freude”, meinte Ziegler bei aller Wehmut. „Wir haben mit unserer Einsatzbereitschaft an dem uns zugedachten Platz unseren Auftrag erfüllt und mit dazu beigetragen, daß in unserem Vaterland der Friede sicherer geworden ist. Darauf können wir alle stolz sein.“

Mahnend sagte auch Oberst Ziegler: ,,Lassen Sie mich vor allzu großer Friedenseuphorie warnen. Gerade die in den letzten Monaten uns allen bekannten Ereignisse in unserer unmittelbaren Nachbarschaft sind Grund genug, wachsam und bereit zu sein.”

Der scheidende Kommandeur dankte den Reservisten und den aktiven Verbänden im VBK 51 für die Bereitschaft und Unterstützung.


Auszug aus der Ludwigsburger Kreiszeitung Samstag, 21. März 1992.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Ludwigsburger Kreiszeitung.


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